Affektive Störung Unterdem Begriff "Affektive Störungen" (affektive Psychosen) werden dieErkrankungsformen der endogenen Depression und der Maniezusammengefaßt. Unter Depression ist ein Gefühlszustand zu verstehen,der durch große Traurigkeit und Besorgnis gekennzeichnet ist. DerBetroffene fühlt sich wertlos, schuldig und zieht sich von anderenzurück. Weitere Anzeichen einer endogenen Depression sindSchlafstörungen, Mangel an Appetit und sexuellem Interesse sowie eineAntriebs- und Interesselosigkeit. Die Manie dagegen ist gekennzeichnetdurch verstärkten Antrieb, Hochgestimmtheit und überschießendePhantasie, die den Betroffenen oft zu irrationalem Handeln verführt,was auch als eine Folge der mangelnden Impulskontrolle zu verstehen ist. Neurotische Störung DieseKrankheitsgruppe bildet keine Einheit sondern ist eher eineSammelbegriff für all jene Erkrankungen, bei denen frühere Erfahrungendas Erleben des Menschen so nachhaltig prägen, dass sowohl dieWahrnehmungen des gegenwärtigen Geschehens, vor allem die Wahrnehmungder gegenwärtigen Beziehungen deutlich eingeschränkt sind, weil von denPersonen der Gegenwart zwangsläufig die gleichen Verhaltensweisenerwartet werden, wie von den früheren wesentlichen Beziehungspersonen.Dadurch wird es sehr schwer, gegenwärtige Situationen richtig zuverstehen, vor allem aber fast unmöglich, sich sinnvoll undwirkungsvoll in diesen missdeuteten Situationen zu verhalten. Die Folgesind eine Vielzahl "neurotischer Störungen", die als Versuch zuverstehen sind, mit dieser Schwierigkeit fertig zu werden, Meistentwickelt man dann eine undefinierbare Angst, manchmal auch ständigeGereiztheit, Depressionen mit Antriebslosigkeit, Verlust derLebensperspektive etc. Vor allem aber leidet man unter großenSchwierigkeiten in den Beziehungen zu seinen Mitmenschen.Dieklassischen Neurosen wie Depression, Angstneurose, Hysterie undZangsneurose bildeten schon bald die Domäne der Psychotherapie, wobeidie früheren Konkurrenzkämpfe zwischen Verhaltenstherapie und dentiefenpsycholoigschen Verfahren allmählich einer Differentialindikationweichen, d.h., man führt erst einmal eine sorgfältige Diagnose durchund überlegt dann, gemeinsam mit dem Patienten, welche Therapie diegeeignete ist. Belastungsstörung Diederzeit bekannteste Erkrankung in diesem Bereich ist dieposttraumatische Belastungsstörung, die mit modernenpsychotherapeutischen Verfahren behandelt wird. Hier kommen vor allemimaginative Verfahren zur Anwendung.Natürlich gibt es aber auch eine Reihe weiterer schwerer Belastungen,die zu erheblichen Beschwerden, z.B. Schlafstörungen, vielfältigekörperliche Störungen, Angst und Depressionen führen. Dabei handelt essich dann nicht um neurotische Erkrankungen im eigentlichen Sinnesondern um Reaktionen auf schwere Belastungen. Die Behandlungunterscheidet sich deshalb auch vom Vorgehen bei klassischen Neurosen,ist sehr viel stärker situationsbezogen und richtet sich auf dieBewältigung der konkreten Problematik.Typisch für solche Belastungen sind neben schweren Unfällen,Gewalterfahrungen und Missbrauch auch schwere körperliche Erkrankungenwie Krebs, M.S., oder der Verlust naher Angehöriger, Krisen in Familieund Beruf und leider in zunehmendem Maße auch Mobbing. Persönlichkeitsstörung DieserBegriff beinhaltet ein weites Spektrum sehr unterschiedlicherErkrankungen, die alle von tiefgehenden Störungen in der Persönlichkeitgekennzeichnet sind. Bekannt sind etwa die narzisstische Störung(schwerwiegende Selbstzweifel und Selbstunsicherheit), dieBorderlinestörung (Unsicherheit in der Beurteilung der sozialenRealität, der eigenen Möglichkeiten und Grenzen, etc.), manche Süchte,pathologische Erlebens- und Verhaltensweisen in sozialen Beziehungenetc. Zuweilen leidet die Umgebung mehr unter den Störungen als derPatient selbst, was eine Behandlung sehr schwierig machen kann. Dennochbesteht eine dringende Indikation zur Behandlung, die manchmal vieleJahre dauern kann und eine sehr vertrauensvolle und tragfähigeBeziehung zwischen Patient und Therapeut voraussetzt. Deshalb ist esmanchmal sinnvoll, sorgfältig zu suchen und sich erst dann auf einelangfristige Behandlung einzulassen, wenn die "Wellenlänge" stimmt.Häufig ist auch eine Kombination mit medikamentöser Behandlungnotwendig, dann, wenn die Intensität der Gefühle quälend wird oder dieHeftigkeit der Impulse es schwer macht, sein Verhalten noch sinnvoll zusteuern. Die ICD-10 definiert Persönlichkeitsstörungen als "tief verwurzelte,anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen aufunterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Sieverkörpern gegenüber der Mehrheit der betreffenden Bevölkerungdeutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in denBeziehungen zu anderen. Solche Verhaltensmuster sind meistens stabilund beziehen sich auf vielfältige Bereiche des Verhaltens und derpsychologischen Funktionen. Häufig gehen sie mit einemunterschiedlichen Ausmaß persönlichen Leidens und gestörter sozialerFunktionsfähigkeit einher.Die Erfassung und Einteilung der Persönlichkeitsstörungen imdeutschsprachigen Raum orientiert sich noch weitgehend an derklassischen typologischen Beschreibung von K. Schneider, der eineEinteilung in hyperthyme, depressive, selbstunsichere, fanatische,geltungsbedürftige, stimmungslabile, explosible, gemütlose, willenloseund asthenische Persönlichkeiten vorschlug.Persönlichkeitsstörungen werden nach der ICD 10 (F6) den verschiedenenVerhaltensmustern entsprechend unterteilt in spezifischePersönlichkeitsstörungen, kombinierte Persönlichkeitsstörungen,andauernde Persönlichkeitsänderungen nach Extrembelastung sowie abnormeGewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle. somatoforme/funktionelle StörungenBei somatoformen/funktionellen Störungen zeigen sich Krankheitssymptome vor allem in folgenden Organsystemen: Muskulatur und Skelettsystem-Atmungsorgane-Herz- u. Kreislaufsystem-Haut-Magen-Darm-Trakt-Ausscheidungs- und Sexualfunktionen. Fürfunktionelle Störungen/somatoforme Störungen sind vielfältige,wiederholt auftretende und häufig wechselnde körperliche Symptomecharakteristisch. Die meisten Kranken haben eine lange und komplizierteLeidenskarriere hinter sich, ohne dass eine organische Ursache desLeidens tatsächlich gefunden wurde.Die somatoformen bzw. funktionellen Störungen können sich auf jedenKörperteil oder jedes System des Körpers beziehen. Der Verlauf derfunktionellen bzw. somatoformen Störung ist chronisch und führt häufigzu einer langdauernden Störung im sozialen, zwischenmenschlichen undfamiliären Verhalten.Die ständige Beschäftigung mit den Symptomen dersomatoformen/funktionellen Störungen führt zu andauernden Leiden unddazu, dass die Patienten mehrfach bei Ärzten vorstellig werden, sich zuSpezialisten überweisen lassen, in der Hoffnung, dass durchZusatzuntersuchungen vielleicht doch eine organische Ursache desLeidens gefunden wird ("Doctors hopping").Häufig klagen Patienten mit somatoformen/funktionellen Störungen überfolgende Symptome:Bauchschmerzen, Übelkeit, Gefühl von Überblähung, schlechter Geschmackim Mund oder extrem belegte Zunge, Klagen über Erbrechen oderRückförderung von Speisen, Klagen über häufigen Durchfall.Atemlosigkeit ohne Anstrengung, Brustschmerzen.Auffälligkeiten beim Wasserlassen, vermehrter Harndrang, unangenehmeEmpfindungen im oder um den Genitalbereich, Klagen über ungewöhnlichenoder verstärkten vaginalen Ausfluss.Klagen über Fleckigkeit oder Farbveränderung der Haut, Schmerzen in denGliedern, Armen, Beinen oder Gelenken, unangenehme Taubheit oderKribbelgefühl und Jucken. Psychovegetative Störungen mit überwiegend seelischen Ursachen: Es finden sich psychische Störungen ohne organische Grundlage bei einernormalen Realitätswahrnehmung. Das Verhalten ist nur in geringem Maßegestört, die Patienten erleben sich häufig nicht als krank; dieKonflikte, die zur Krankheit der somatoformen/funktionellen Störungführen, sind nur in geringem Maß verdrängt und stammen mehr aus deraktuellen Situation und weniger aus der frühen Kindheit.Die Symptome der somatoformen/funktionellen Störungen sind häufigdiffus, lassen sich aber auf eine Leitsymptomatik zentrieren. Fastimmer besteht eine vegetative Übererregbarkeit. Psychovegetative funktionelle bzw. somatoforme Störungen mitüberwiegend körperlicher Symptomatik: Es liegen körperliche Störungen vor ohne Schädigung des Gewebes odernachweisbarer physiologischer Funktionsstörungen, bei denen emotionaleFaktoren in der Entstehung die entscheidende Rolle spielen. Diesomatoformen bzw. funktionellen Störungen werden meist an einemOrgansystem besonders stark erlebt (Leitsymptomatik) Psychosomatische Erkrankungen DieseKrankheitsgruppe ist schwer zu definieren. Früher meinte man damit eineGruppe spezieller Erkrankungen, z.B. Magengeschwür, Migräne,rheumatische Beschwerden, Allergien etc. ( die sieben heiligen Kühe),deren Ursachen man in der Psyche suchte, heute geht man von einemwesentlich weiterem Krankheitsverständnis aus und schränkt den Begriffnicht mehr auf die typischen "psychosomatischen" Krankheiten ein.Vielmehr setzt sich allmählich ein ganzheitliches Krankheitsverständnisdurch, dergestalt, dass nicht mehr "Krankheiten" behandelt sondern"Kranke", die an Leib und Seele leiden, natürlich mit sehrunterschiedlicher Gewichtung. so betrachtet spielt die Psyche immermehr oder weniger mit, zuweilen in einem Ausmaß, dass Heilung nurmöglich ist, wenn auch die Psyche behandelt wir. Typisch wäre etwa eineAsthma-Erkrankung, die zweifellos eine körperliche Erkrankung ist, aberauch durch seelische Belastungen ausgelöst werden kann. Für denPatienten ist es deshalb außerordentlich wichtig, sein Leben so zuführen, dass er seelische Belastungen voraussehen und sich daraufsinnvoll einrichten kann. So erwirbt er eine gewisse "Stressresistenz"und die Anfälle werden deutlich weniger. Ähnliches gilt für vieleErkrankungen, die entweder selbst eine schwere seelische Belastungdarstellen oder durch seelische Belastung ausgelöst, zuweilen auchverstärkt werden. Psychosomatische Medizin beinhaltet deshalb immerbeides, die körperliche Behandlung (meist beim Hausarzt) und diePsychotherapie (beim Therapeuten) und setzt eine gute Zusammenarbeitvon allen Beteiligten voraus. Leider gibt es bei vielen Patienten undTherapeuten noch häufig die Vorstellung, man könne alleine durchPsychotherapie organische Erkrankungen heilen. Das mag in Einzelfällenmöglich sein, sinnvoller aber ist es, von der Gleichzeitigkeit vonkörperlicher und seelischer Reaktion auszugehen, auch wenn mal deutlichdas körperliche, mal das seelische Geschehen im Vordergrund steht. Derganze Mensch ist krank und wird am ehesten gesund, wenn alle Aspekteseines Leidens bei der Behandlung berücksichtigt werden. Psycho-Traumatologie Diehäufigsten Traumafolgen, mit denen wir in der Praxis konfrontiertwerden sind die Folgen schwerer Unfälle, die Erschütterung durch eineschwere Krankheit, den Verlust eines nahen Angehörigen, aber auch dieFolgen von Vergewaltigung, Raub und anderen Folgen grausamer Gewalt.Immer häufiger Angst Die Angst als normale Alarmreaktion in einer Gefahrensituationverselbständigt sich häufig nach einem Trauma, dergestalt, dass sienicht nur auftritt, wenn der Betreffende wieder in Gefahr kommt sondernschon durch geringe Auslösereize hervorgerufen werden kann. Irgend einGeräusch, ein Geruch, eine Person, die mit dem Täter Ähnlichkeit hatoder irgend etwas, was auch nur entfernt an die traumatische Situationerinnert ruft bereits Entsetzen hervor und führt womöglich zu einemweiteren sehr typischen Symptom, dem Wiedererleben des Traumas (flash- back, Intrusionen) Im Unterschied zum normalen "Erinnern" tauchen nicht mehr nur abstrakteGedanken und Begriffe auf, sondern das Geschehen ist wieder in Gänzeda, wie in einem sehr realistischen Tagtraum, vor allem aber verbundenmit allen entsetzlichen Gefühlen. Dies geschieht tagsüber, in allenmöglichen Situationen, überfallsartig, aus "heiterem Himmel" undbedeutet eine massive Beeinträchtigung im Leben des Betroffenen. Erhöhte Erregung, geringe Frustrationstoleranz Traumatisierte Menschen "vertragen nicht mehr viel", reagieren schnellgereizt, haben nahe am Wasser gebaut und kommen schnell auf Touren.Aber auch das Gegenteil, die Erstarrung kann eintreten und derBetroffene versteckt sich hinter einer Mauer der Unberührbarkeit. Vermeidung Folgerichtigerweise versucht der Betroffene, alle Situationen zuvermeiden, die ihn an die überstandene Gefahr erinnern. Wer das eineWeile macht gerät in Isolation, ist bald alleine und kommt bald nichtmehr aus seinem Teufelskreis heraus. Gefühle von ohnmächtiger Wut und Ausgeliefertsein Die einmal erlebte Ohnmacht als Opfer einer Gewalttat, einergesundheitlichen Katastrophe, einer Mobbingkampagne o.ä., kann mannicht mehr vergessen. Sobald man das Gefühl hat, die Kontrolle übereine Situation zu verlieren stellt sie sich wieder ein und führt zusehr unterschiedlichen Reaktionen, meist Rückzug und Vorsicht, manchmalauch Misstrauen etc. Gefühle der Schuld und Scham Manche Patienten, vor allem Vergewaltigungsopfer entwickeln Schuld- undSchamgefühle weil sie den Eindruck haben, sie hätten nicht genug getan,um das Unglück zu vermeiden. Das ist zwar meistens unsinnig, aber siewechseln von der Rolle des Opfers in die des Täters und erleben dochnoch einen Rest von Handlungsfähigkeit in der Illusion, sie hätten esauch anders machen können. Trauer und Depression Dies sind normale Reaktionen auf die erlittenen Schmerzen und Verluste.Häufig aber verharren Patienten in diesen Gefühlen, ihre Gedanken undGespräche drehen sich immer nur um das erlittene Elend. Damit belastensie ihre Umgebung, spüren es und ziehen sich in ihre depressiveInnenwelt zurück. Sie brechen die Kontakte ab und vereinsamen. Psycho-Onkologie Psychoonkolgie ist nicht der Versuch, Krebs mit Psychotherapie zuheilen, es handelt sich auch nicht um die Behandlung von neurotischenErkrankungen. Psychoonkologie ist die psychotherapeutische Behandlungvon Krebskranken, die bei der Bewältigung ihrer Erkrankung inSchwierigkeiten geraten. Heute können viele Krebsarten geheilt oderzumindest so weit in Schach gehalten werden, dass man noch viele Jahrelebt. Diese Zeit ist aber häufig von ständiger Angst oder den Folgender Behandlung (Bestrahlung, Chemotherapie) überschattet, so dass esschwer fällt, eine angemessen Bewältigungsstrategie zu finden, die dasLeben auch noch lebenswert und schön macht. Dabei soll diePsychoonkologie helfen. Gegenstand der Therapie ist dabei meist dieBewältigung der Angst, die Trauer um die mit der Krankheit verbundenenEinschränkungen, die Auseinandersetzung mit Leiden und Sterben undimmer wieder auch die Frage nach dem Sinn des Leidens, des Lebens, desSterbens, so dass dabei immer wieder auch Grenzbereiche berührt werden.